Kupfer in der Biolandwirtschaft – natürlich, aber nicht unproblematisch
Das rote Metall spielt in der Landwirtschaft eine ambivalente Rolle: Einerseits ist es als Spurenelement für Mensch, Tier und Pflanze lebensnotwendig. Andererseits kann es in zu hoher Konzentration den Boden schädigen und langfristig negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Gerade in der biologischen Landwirtschaft, die auf Umweltverträglichkeit und Bodengesundheit setzt, erweist sich das Element als unerwartetes Sorgenkind.
Warum das Spurenelement in der Biolandwirtschaft eingesetzt wird
In der ökologischen Landwirtschaft sind viele synthetische Pflanzenschutzmittel verboten – nicht jedoch Kupfer, das als bewährter natürlicher Wirkstoff vor allem gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau, Kraut- und Knollenfäule oder Schorf eingesetzt wird. Besonders im Wein-, Obst- und Gemüsebau greift man auf kupferhaltige Präparate zurück, weil es bislang kaum gleichwertige Alternativen gibt.
Trotz seiner natürlichen Herkunft ist das Metall nicht abbaubar. Es reichert sich im Boden an – vor allem in Dauerkulturen – und wirkt dort toxisch auf Bodenorganismen, wodurch die Bodenstruktur leidet und die Fruchtbarkeit langfristig gefährdet ist.
Wie das Element Mensch und Umwelt belastet
Kupfer ist essenziell – wir benötigen es für unser Immunsystem, den Energiestoffwechsel und vielfältige Enzyme. Doch eine übermäßige Aufnahme kann gesundheitliche Probleme hervorrufen. Besonders gefährdet sind Kinder, Menschen mit Lebererkrankungen oder solche mit der seltenen Stoffwechselstörung Morbus Wilson. Die Aufnahme erfolgt über Nahrung, Trinkwasser oder in seltenen Fällen über die Haut. In Regionen mit hohem Konsum von Wein oder in Gebieten mit älteren Kupferleitungen kann sich eine kumulierte Belastung ergeben, die gesundheitlich relevant wird.
Auch die Bodenbiologie leidet: Regenwürmer, Pilze und nützliche Mikroorganismen reagieren empfindlich auf Kupferüberschüsse. Die Folgen sind verringerte Bodenfruchtbarkeit, gestörte Nährstoffkreisläufe und ein erhöhtes Bedürfnis nach zusätzlicher Düngung – ein paradoxer Effekt in einem System, das eigentlich auf natürliche Kreisläufe setzt.
Regelung und Realität: EU-Grenzwerte reichen nicht aus
Die EU hat den Einsatz des Elements begrenzt: Der zulässige Durchschnitt liegt aktuell bei 4 kg pro Hektar und Jahr (berechnet über 7 Jahre). In der Praxis kommt es jedoch oft zu Überschreitungen – nicht zuletzt, weil wirkungsvolle Alternativen fehlen oder nicht zuverlässig verfügbar sind. Die Bio-Zertifizierung schreibt derzeit keine systematischen Bodentests für Kupfer vor – das bedeutet: Viele Flächen könnten bereits kritisch belastet sein, ohne dass es bemerkt wird.
Was getan werden kann
Glücklicherweise gibt es Ansätze, um der Überdosierung entgegenzuwirken:
- Reduktion der Einsatzmengen durch präzisere Applikationstechniken und bessere Wetterprognosen
- Züchtung robuster Sorten, die weniger anfällig gegenüber Pilzbefall sind
- Einsatz von Ersatzstoffen, etwa auf Basis von Pflanzenextrakten, Mikroorganismen oder Tonmineralien
- Regeneration belasteter Böden mithilfe von Biokohle, Kompost, Pilzen oder gezielter Humuswirtschaft
Allerdings sind diese Methoden noch nicht flächendeckend praxistauglich oder wirtschaftlich konkurrenzfähig.
TSHN identifiziert zukunftsfähige Alternativen
TSHN versteht gesunde Böden als Basis für gesunde Menschen und nachhaltige Landwirtschaft. In unserem Netzwerk fokussieren wir uns daher auf Produkte, Methoden und Strategien, die dazu beitragen, den Einsatz von Kupfer im Bio-Anbau zu verringern oder ganz zu ersetzen – ohne Kompromisse bei Pflanzenschutz und Lebensmittelsicherheit.
Ihre Erfahrungen zählen!
Haben Sie als Landwirt:in mit oder ohne Kupfer gearbeitet? Nutzen Sie alternative Pflanzenschutzmittel oder kennen Betriebe, die neue Wege beschreiten?
👉 Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns! Gemeinsam gestalten wir den Wandel zu einer wirklich bodenschonenden und gesunden Landwirtschaft.
👉Lesen Sie als Mitglied den wissenschaftlichen Hintergrund im Wissenschaftsbereich unserer Wissensdatenbank!